S/4HANA Migration: Warum 60 % Ihres Custom Codes und alte Stammdaten Ihr größtes Risiko sind

Das Erbe der letzten 15 Jahre

Ein S/4HANA Projekt ist wie ein Umzug. Niemand käme auf die Idee, den Sperrmüll aus dem Keller in die neue Wohnung mitzunehmen. Doch in ERP Projekten passiert genau das täglich.

Studien zeigen ein erschreckendes Bild. Mehr als 50 % aller Datenmigrationsprojekte sprengen Budget oder Zeitplan. Der Grund ist fast immer derselbe. Die Qualität der Altdaten wurde unterschätzt.

Aus meiner Beratungspraxis mit über 14 Jahren Erfahrung kenne ich Systeme, in denen Lieferanten und Kundenstämme schlummern. Mit diesen wurde oft seit 2008 kein Umsatz mehr gemacht. Untersuchungen zeigen, dass nur 3 % der Unternehmen Datenqualitätsstandards vollständig erfüllen.+1

Das Problem ist offensichtlich. Diese Datenleichen verstopfen nicht nur den Speicher, sondern blockieren die Migration. S/4HANA verlangt konsistente Daten für den neuen Business Partner. Wenn Sie versuchen uralte und unvollständige Datensätze technisch zu migrieren, wird das Migration Cockpit rot aufleuchten. Das Projekt steht dann still und die Kosten explodieren. Schlechte Datenqualität kostet Unternehmen laut Gartner durchschnittlich 12,9 Millionen Dollar pro Jahr.

Die Falle mit den Z Feldern und Custom Code

Ein noch größeres Risiko sind die berühmten Z Felder und Eigenentwicklungen. Früher war es üblich, fehlende Standards schnell durch ein programmiertes Z Feld zu ergänzen. Ein durchschnittliches SAP System schleppt heute ca. 2,7 Millionen Zeilen solchen Custom Codes mit sich herum.

Doch die Statistik ist brutal. Rund 60 % dieses Custom Codes werden in der Praxis gar nicht mehr genutzt.

Vor der S/4HANA Migration stellt sich also die Frage nach der Sinnhaftigkeit. Wollen Sie wirklich Geld und Zeit investieren, um Code zu migrieren, den niemand mehr ausführt? Wer Z Felder blind migriert, verbaut sich den Weg zurück zum SAP Standard und erhöht die Komplexität massiv. Nicht umsonst nennen 63 % der Unternehmen den Umgang mit Custom Code als eine der größten Hürden bei der Migration.

Warum das keine reine IT Aufgabe ist

Der größte Fehler vieler Unternehmen ist die Delegation an die IT. Die Datenbereinigung wird oft als reines IT Ticket gesehen. Man erwartet, dass die IT die Dubletten einfach rausfiltert.

Das funktioniert in der Praxis nicht. Die IT kann technisch prüfen, ob ein Feld gefüllt ist. Aber nur der Fachbereich aus Einkauf, Vertrieb oder Logistik kann inhaltlich entscheiden. Nur die Fachabteilung weiß, ob dieser Lieferant wirklich inaktiv ist oder als Notfall Backup dient. Nur der Fachbereich weiß, ob das Z Feld für Zusatzinfos noch für den Zoll gebraucht wird.

Mein dringender Rat lautet daher wie folgt. Da 70 % der ERP Projekte mit unzureichenden Daten kämpfen, holen Sie den Fachbereich extrem früh ab. Warten Sie nicht bis zum User Acceptance Test. Setzen Sie sich Monate vor der technischen Migration zusammen.

Mein Leitfaden: Erst aufräumen und dann migrieren

1. Die Inventur der Altlasten Identifizieren Sie rigoros Stammdaten ohne Bewegungsdaten der letzten Jahre. Archivieren Sie diese im Altsystem. Was nicht migriert werden muss, verursacht keine Fehler.

2. Dubletten Check und CVI Der neue Business Partner verzeiht keine Dubletten. Bereinigen Sie Kunden und Lieferanten, die mehrfach angelegt sind, bereits im alten System. Nutzen Sie die Customer Vendor Integration als Generalprobe im laufenden Betrieb. Tun Sie dies lange vor dem Go Live.

3. Z Felder hinterfragen Machen Sie eine Nutzungsanalyse. Wenn 60 % Ihres Codes ungenutzt sind, ist jetzt der Moment für die Abschaltung. Migrieren Sie diesen Ballast nicht teuer in das neue System.

Fazit: Nutzen Sie den Zwang zum Aufräumen

S/4HANA zwingt Sie zur Datenhygiene. Sehen Sie das nicht als Schikane, sondern als Chance für das Abwerfen von Altlasten.