Wenn SCM-Leiter wie Thomas Bauer auf die 2027-Deadline blicken, herrscht oft der Reflex: „Hauptsache, das System läuft danach genauso wie vorher.“ Doch genau hier liegt die Falle. Wer den Fachbereich nicht aktiv steuert, bekommt als Antwort auf jede Streichliste: „Das brauchen wir alles unbedingt!“
Pragmatismus bedeutet hier: Harte ABAP-Fakten kombiniert mit einer klaren Key-User-Strategie.
1. Die Wahrheit liegt im System (ABAP-Analyse)
Bevor Sie endlose Diskussionen führen, lassen Sie die Daten sprechen. Mit Tools wie dem SAP Translation Hub, dem Custom Code Analyzer oder einfachen Transaktionen wie ST03N (Workload Monitor) und SUSG (Aggregation of Usage Data) finden wir heraus:
- Welche der 500 Z-Reports wurden im letzten Jahr tatsächlich aufgerufen?
- Welche Transaktionen in MM und SD sind Karteileichen, die nur noch „historisches Rauschen“ erzeugen?
- Das Ergebnis: Eine faktenbasierte Liste. Wenn ein Report seit 24 Monaten nicht genutzt wurde, braucht ihn der Fachbereich auch in S/4HANA nicht. Punkt.
2. Demystifizierung durch Demonstration (Simplification)
Man kann vom Fachbereich nicht erwarten, dass er „blind“ auf Funktionalität verzichtet. Sie müssen das neue System erlebbar machen.
- Show, don’t tell: Zeigen Sie dem Lagerleiter oder dem Vertriebsinnendienst die neuen S/4HANA Simplifications live.
- Wenn sie sehen, wie Fiori-Apps oder optimierte Standard-Prozesse ihre tägliche Arbeit in MM/SD erleichtern, schwindet der Widerstand gegen das Abschalten alter Sonderlocken.
- Erst wenn der Nutzen des Neuen greifbar ist, lässt man das Alte gerne los.
3. Key-User: Vom Betroffenen zum Beteiligten machen
Ein S/4-Projekt ist kein IT-Projekt, es ist ein Business-Projekt.
- Frühzeitige Nominierung: Identifizieren Sie die Key-User in der Logistik und im Vertrieb jetzt – nicht erst drei Monate vor dem Go-Live.
- Verantwortung übertragen: Diese Mitarbeiter müssen verstehen, wie der S/4-Standard ihre Prozesse verbessert. Sie sind die Botschafter, die den Rest der Abteilung davon überzeugen, dass „Standard“ kein Rückschritt, sondern eine Beschleunigung ist.
4. Zeit ist die wichtigste Ressource
Diese Überzeugungsarbeit kostet Zeit. Man kann den Fachbereich nicht zwischen Tür und Angel „standardisieren“. Planen Sie Puffer für die Demonstration der neuen Welt ein. Wer hier spart, zahlt später doppelt – durch langsame Prozesse, Excel-Parallelwelten und unzufriedene Mitarbeiter.
Mein Ansatz: Wir nutzen die ABAP-Analyse-Tools, um den Müll zu identifizieren, und investieren die gewonnene Zeit in Ihre Key-User. So bauen wir kein Museum der alten Prozesse, sondern eine moderne Supply Chain für die nächsten 10 Jahre.